Vom Streit-Teufelskreis zum Engelskreis

von | Jan 5, 2023

Viele Paare erzählen mit ähnlichen Worten von ihren Streitereien und Kämpfen: „Wir stecken in einem Streit-Teufelskreis“, sagen sie. Oder: „Es ist eine Abwärtsspirale. Wir kommen einfach nicht raus!“ „Wir streiten über jede Kleinigkeit, es sind lauter Lappalien! Und trotzdem eskaliert es dann!“ „Unsere Nerven liegen schon ganz blank!“

Was ist denn da los…? Alle diese Paare sind doch einmal aus Liebe zusammengekommen…?

 

Wieso streiten wir so viel?

Diese so häufigen zermürbenden Streitspiralen haben gleich mehrere Ursachen.

 

Der Körper reagiert beziehungsfeindlich

Erstens: Unser Körper reagiert in „Gefahrensituationen“ automatisch – und zwar so, dass es der Beziehung schadet! Es gibt in „Gefahrensituationen“ nur vier unterschiedliche Automatikreaktionen des Körpers – und jede einzelne davon gießt Öl ins Feuer, heizt also den Konflikt erst so richtig an!

Unser Körper reagiert in jeder vermeintlichen Gefahrensituation so, als ob wir immer noch dem Säbelzahntiger gegenüberstünden. Und schaltet automatisch auf Angriff/Kampf oder Flucht oder Erstarren oder Unterwerfen.

Ein Beispiel: Paul öffnet den Kühlschrank und sagt: „Es ist kein Bier mehr da!“. Seiner Frau Luise erscheint sein Ton genervt, und sie hört Pauls Satz als Vorwurf, also als Angriff. Sie interpretiert Pauls Worte vielleicht in etwa so: `Warum hast du kein Bier gekauft? Das ist sehr nachlässig von dir!´ (Im Nachhinein könnte Luise sogar schwören, dass Ihr Mann genau das gesagt hat). Und Luises Körper reagiert auf den vermeintlichen Angriff von Paul blitzschnell und automatisch ebenfalls mit (Gegen-)Angriff: „Ja, und schau mal dich selber an, du hast nach drei Monaten den Gartenzaun noch immer nicht repariert!!!“
Sie können sich selbst vorstellen, wie dieses Gespräch nun weitergeht. Wahrscheinlich eher unersprießlich! 😉

Auch die anderen möglichen Automatikreaktionen – Flucht oder Erstarren oder Unterwerfung – haben ähnlich toxische Wirkung auf die Beziehung (und damit auch auf jeden einzelnen der beiden Partner).

Sie erkennen: Allein schon in den Automatikreaktionen unseres Körpers steckt jede Menge Teufelskreispotenzial!

Und deshalb erarbeiten wir in der Paartherapie gemeinsam Strategien, wie Sie für viel Sicherheit sorgen können – damit Ihr Körper gar nicht erst in diesen beziehungsfeindlichen Automatikmodus verfällt.
Eine dieser Sicherheitsstrategien finden Sie weiter unten im vierten Punkt.

 

Der Traum vom heißen Eislutscher

Zweitens: Die Paare streiten über Dinge, über Fakten. Und versuchen dann mit Argumenten, einander zu besiegen. Sehr oft höre ich von einem Partner, meist ist es der Mann: Ich versuche immer unsere Konflikte sachlich zu besprechen. Aber je sachlicher ich bin, desto wütender wird meine Frau!“

Der Grund dafür ist, dass jeder Konflikt ein emotionaler Konflikt ist. Dass es bei jedem Konflikt um Gefühle geht. Je heftiger ein Paar streitet, desto sicherer ist: Hier werden Gefühle verletzt!

Und diese emotionalen Verletzungen rein auf der Sachebene lösen zu wollen, das ist wie wenn man eine Schraube aus einem Holzbalken herausdrehen will – und dafür einen Hammer nimmt. Es ist unmöglich.
Es ist der Traum vom heißen Eislutscher.

 

Rote Knöpfe

Drittens: Wenn ein Paar über Kleinigkeiten sehr heftig streitet, dann ist klar: Die beiden drücken einander rote Knöpfe. An der Oberfläche herumzuverhandeln – ich schraube in Zukunft die Zahnpastatube zu, wenn du dafür die Schuhe im Vorzimmer immer gerade hinstellst – bringt überhaupt nichts. Derselbe Konflikt wird sich sehr bald anderswo, an einem anderen oberflächlichen Thema, entzünden.

Wir wissen nun: Die nicht zugeschraubte Zahnpastatube ist für den einen ein roter Knopf, für den andern sind es die nicht gerade hingestellten Schuhe.

Aber warum hilft dann eine Sachlösung – das obige Verhandlungsergebnis – nichts?

Die Antwort lautet: Weil die Knöpfe „verkabelt“ sind! In der Paartherapie finden wir heraus, wohin diese emotionalen „Kabel“ laufen. Erst dann ist dieser Konflikt behandelbar, lösbar, heilbar. Dann wird er befriedet, und zwar von ganz innen heraus und dauerhaft. Und es kehren Ruhe und Harmonie ein.

 

Streitpaare haben chronischen „Vitamin W“-Mangel

Viertens: Alle streitenden Paare kommen mit einem ausgeprägten Mangel an „Vitamin W“ in die Paartherapie. Dieser Vitaminmangel macht sie reizbar. „Vitamin W, nie gehört!“, denken Sie jetzt wahrscheinlich, oder? Sie haben Recht, es gibt auch keine chemische Substanz namens „Vitamin W“.

Ich meine mit „Vitamin W“ das Zaubermittel Wertschätzung. Einander liebe Sachen sagen also. Das ist wie ein Vitamin, von dem wir nicht wissen, dass wir es brauchen, aber wenn wir es nicht haben, dann macht uns das krank. Wir werden, auch wenn uns das vielleicht gar nicht bewusst ist, innerlich traurig und unsicher und fühlen uns chronisch verletzt und verhalten uns äußerlich reizbar, genervt, vielleicht aggressiv, oder wir ziehen uns in uns selbst zurück – wir werden schlicht ungenießbar.
Und es beginnt der oben erwähnte Teufelskreis.

 

Wie kommen wir da bloß raus?!

 

In der Paartherapie zeige ich Ihnen, wie Sie auch über schwierige Themen friedlich und in Sicherheit reden können, so, dass dadurch liebevolle Verbindung zwischen Ihnen beiden entsteht.

Sie erlernen dies anhand „echter“ Themen, die Sie beide mitbringen. Dadurch haben Sie gleich doppelten Nutzen: Erstens erfahren und erleben Sie, wie Sie schwierige Themen konstruktiv und friedlich besprechen können, und zweitens befrieden Sie damit jedesmal gleich eines Ihrer heißen Konfliktthemen.

Sie werden danach erleichtert sein.
Und Sie können Ihren Streit-Teufelskreis in einen Engelskreis verwandeln.

 

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